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Die vergessene Seite der Sucht – Wie geht es Angehörigen von Suchtabhängigen?

Herzlich Willkommen

„Die Situation von Angehörigen eines Suchtabhängigen ist häufig durch Sorgen und Ärger, Selbstvorwürfe und Ängste geprägt. Der ständige Druck lässt oft keinen Raum für eigene Bedürfnisse und Interessen.“ – dies ist der erste Satz in der Infobroschüre des Projektes „Familien stärken“ des Caritasverbandes Dortmund. Und über genau diesen Satz brach Frau H. unvermittelt in Tränen aus, als ihr der Flyer in einem Wartezimmer in die Hände fiel. Was erst mit einer verschämten Flucht aus dem Raum endete, führte in der Folge zu einem Besuch der Caritas Suchtberatungsstelle.

Sie erzählte im Erstgespräch, was sie an diesem Satz so stark berührt hatte: „Ich dachte, nur mir ginge es so! Nur ich bin unfähig und hilflos und mache alles falsch!“ Und zum ersten Mal konnte sie in Ruhe von ihrer Situation erzählen. Jahre nach dem Ende ihrer Ehe mit einem Alkoholiker entwickelte der erwachsene Sohn eine Spielsucht. Zum zweiten Mal in ihrem Leben fand sie sich in der Rolle der Angehörigen, fühlte sich überfordert, alleingelassen und bei ihrem Sohn besonders in ihrer Mutterrolle als Versagerin.

So wie Frau H. geht es den meisten Angehörigen von süchtigen Menschen. „Sucht als Erkrankung mit dem entsprechenden Hilfebedarf und einem gut ausgebauten Hilfesystem ist inzwischen im Bewusstsein der Öffentlichkeit angekommen. Angehörige jedoch führen mit ihrer Situation ein Schattendasein. Dabei ist ihr Leiden häufig nicht weniger dramatisch“, erläutert Monika Wulf, Leiterin der Caritas-Suchtberatung. Laut einer Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit sind in Deutschland ca. 10.000.000 Menschen Angehörige von Suchtkranken (Bundesministerium für Gesundheit, 2018). „Der Wunsch, den Betroffenen aktiv zu helfen steht in starkem Kontrast zum Erleben der eigenen Machtlosigkeit“, so Wulf weiter. Suchttypische Begleiterscheinungen im Verhalten des Betroffenen, z.B. den Konsum zu verschleiern, zu bagatellisieren oder Ausflüchte zu finden, bedeuten aus Sicht der Angehörigen, belogen, hintergangen oder beschuldigt zu werden. Sie erleben lange – und oft vergebliche – Zeiten des Wartens und Hoffens auf positive Veränderungen. „Dies führt zu einem tiefgreifenden Vertrauensverlust, der eine normale Beziehung erschwert oder unmöglich macht.“

Die Suchterkrankung schädigt auf diese Weise nicht nur die Betroffenen, sondern kann auch bei Angehörigen schwere stressbedingte Erkrankungen auslösen. Dazu kommt, dass Angehörige sich häufig aus Scham niemandem anvertrauen. Viele Selbsthilfegruppen haben auf diese Situation reagiert und bieten eigenständige Gruppen für Angehörige an oder aber die Möglichkeit, den Betroffenen in dessen Selbsthilfegruppe zu begleiten.

Eine professionelle Unterstützung finden Angehörige bei der Caritas Dortmund mit dem Angebot „Familien stärken“. In dem erfolgreichen Projekt suchten seit 2013 über 900 Angehörige von Alkohol- und Medikamentenabhängigen und Menschen mit Glücksspielproblematik die Beratungsstelle auf. Die eigens auf diesen Bereich spezialisierte Sozial- und Suchttherapeutin Manuela Koerber bietet vielfache Angebote an. In Einzelgesprächen mit der erfahrenen Therapeutin können in Ruhe Belastungen geklärt und Lösungen gesucht werden. In den verschiedenen Gruppenangeboten stehen der Austausch mit anderen Angehörigen und die Erfahrung von Solidarität im Zentrum. „Wie gehst du damit um – diese Frage endlich ohne Scham mit Anderen besprechen zu können, bedeutet eine große Entlastung“, berichtet Manuela Koerber. Aber auch die ganze Familie mit minderjährigen Kindern wird in den Blick genommen. Mehrmals im Jahr werden Erlebnistage angeboten, an denen nicht die Sucht, sondern Spaß und gemeinsames Erleben im Vordergrund stehen.

Alle Angebote können von Angehörigen auch dann wahrgenommen werden, wenn die betroffene Person nicht an die Beratungsstelle angebunden ist.

Kontakt:

Tel.: 0231-187151 – 2020 oder per E-Mail: suchtberatung@caritas-dortmund.de

Offene Sprechstunde: dienstags 10:00-12:00 Uhr, 14:00-17:00 Uhr

Caritas Suchtberatungsstelle Dortmund, Stefanstr. 2, 44135 Dortmund

Kontaktinformationen

Suchtberatungsstelle im Caritasverband Dortmund e. V.

Stefanstraße 2
44135 Dortmund

Telefon: 0231/18 71 51 2020

Internet: suchtberatung.caritasdortmund.de

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